Von der Kirche zum Steuerbüro

Was ist aus der Matthäikirche in Wenholthausen geworden, die im letzten Jahr verkauft worden ist? Wie macht man aus einer Kirche ein Steuerbüro? Wie sieht die Kirche jetzt von innen aus? Dies hat sich in den letzten Monaten sicherlich mancher gefragt.

Am 30.11.2012 hatte Familie Schrade die Gemeinde zum Tag der offenen Tür eingeladen, damit sich alle Gemeindeglieder ein Bild machen können. Damit auch diejenigen, die an diesem Tag nicht mitkommen konnten, einen Eindruck erhalten können, waren wir mit der Kamera dabei.

Wer noch einmal nachlesen will, wie es dazu gekommen ist, dem empfehlen wir die Geschichte dieser ‘Verwandlung’ hier nachzulesen.

Interview mit Pfarrer Jürgen Rademacher

Am 27.3.2011 fand in der Johanniskirche, Eslohe ein Gemeindeversammlung statt. Dazu ein Interview mit Pfarrer Jürgen Rademacher.

Artikel in der örtlichen Presse (WP und WR)


Prokoll Gemeindeversammlung der evangelischen Petri Kirchengemeinde Dorlar am 27. März 2011 in der St. Johanniskirche Eslohe

Anwesend: Etwa 75 Gemeindeglieder und Gäste.
Beginn: 11:15
Ende: 12:45
Protokoll: MH

Einige Namen wurden aus Datenschutzgründen unkenntlich gemacht. Die Identität ist der Redaktion bekannt.

TOP 1: (Eröffnung)
Herr Rademacher begrüßt die Anwesenden, insbesondere die Ortsvorsteher von Dorlar, Reiste und Wenholthausen sowie den Bürgermeister von Eslohe. Auch die Vertreter der Presse werden willkommen geheißen.

TOP 2: (Präsentation der Fakten und Überlegungen des Presbyteriums)
Herr Gronwald stellt die in der letzten Sitzung erarbeitete Präsentation vor und erläutert die Fakten und Überlegungen des Presbyteriums ausführlich.

TOP 3: (Diskussion)
Herr Rademacher bedankt sich für die beim Presbyterium für die geleistete Vorarbeit.
Frage von RK: Wie wurden die Gottesdienstbeteiligungen ermittelt und wurde dem entgegengewirkt?
Antwort: Es wurde z.B. der Arbeitskreis Wenholthausen gegründet, ohne, dass dies einen langfristigen Erfolg hatte.
Nachfrage: Wie viele Gemeindeglieder hat Wenholthausen?
Antwort: Etwa 140. Auch in den anderen Orten sieht es nicht besser aus.

Frage von HD: Wer ist für den Zuschnitt von Kirchengemeinde und Kirchenkreis zuständig?
Antwort: Der Kirchenkreis entscheidet über den Zuschnitt der Kirchengemeinden, die Landeskirche über den Zuschnitt der Kirchenkreise.

Frage von KK: Wie alt sind Sie, Herr Rademacher?
Antwort: Herr Rademacher geht auf die 60 zu.

Frage von SK: Versuchen wir nur für die nächsten acht Jahre etwas aufzuhalten?
Antwort: Nein, es handelt sich um langfristige Überlegungen. Wenn wir nichts tun, werden in wenigen Jahren definitiv Kirchen geschlossen. Dann entscheidet die Landeskirche bzw. der Kirchenkreis.

Feststellung von SK: Eine Erhöhung der Kirchenbesucherzahlen würde die Entwicklung nicht aufhalten. Vorschlag: Gründung eines Förderkreises.

Herr K: Gratuliert dazu, dass das Presbyterium diese schweren Entscheidungen vorüberlegt hat statt zu warten, was erst einmal einfacher wäre.

Herr H: Organisiert sich die Landeskirche wie ein Großbetrieb? Warum baut die Landeskirche Pfarrstellen ab, aber keine Arbeitsplätze in der Kirchenleitung? Die Folge wird sein, dass noch mehr Gemeindeglieder austreten, weil vor Ort kein Angebot mehr existiert und z.B. viele Eltern nicht bereit sind, ihre Kinder nach Meschede oder
Schmallenberg zum Konfirmandenunterricht zu bringen.
Antwort: Durch den Religionsunterricht soll versucht werden, den Pfarrer hier zu halten.

Frage von SK: Das langfristige Konzept fehlt. Was ist langfristig geplant?
Antwort: Die langfristige Sicherung der Pfarrstelle kann nur über den Religionsunterricht gehen. Wir können nicht sichern, dass unsere Kirchengemeinde längerfristig existiert.

RK: Dank an Herrn K. Familie K ist vor 15 Jahren hergekommen, u.a. weil hier eine evangelische Kirche existiert.
KK: Würde die Kirche in Eslohe auch langfristig noch genutzt werden, wenn sie jetzt renoviert würde?
Antwort: Es ist davon auszugehen, dass die Kirche in Eslohe mittelfristig als Kirche erhalten bleibt.

HD : Unterstützt die Hoffnung, dass die Esloher Kirche erhalten bleibt.
Frau H: Unterstützt den Vorredner
PB: Möchte lieber an Gottesdiensten teilnehmen, an dem viele Besucher teilnehmen.
Antwort: Manche Besucher in Wenholthausen/Reiste/Dorlar fühlen sich als kleine Gruppe und nicht mehr als Gemeinde.

SK Frage an den Bürgermeister: Ist auf eine Unterstützung der Gemeinde im Rahmen der Kulturförderung zu hoffen?
Antwort: Der Haushalt der Gemeinde Eslohe ist angespannt. Eine permanente Förderung ist ausgeschlossen. Die Stiftung der Gemeinde Eslohe darf kein Geld an Religionsgemeinschaften auszahlen. Ein Engagement ist von Fall zu Fall zu prüfen. Herr Kersting sichert seine persönliche Unterstützung zu.

Herr D: Bezweifelt, dass die finanzielle Situation so dramatisch ist, wie sie dargstellt wird.
Antwort: Es wurden die aktuellsten Zahlen vorgestellt.

Herr M: Entscheidend ist, dass die Landeskirche die Förderung von strukturschwachen Regionen kürzt. Ist in Zukunft gewährleistet, dass die Gemeindeglieder
seelsorgerisch versorgt werden?
Antwort: Für die seelsorgerische Betreuung ist es wichtig, dass auch zukünftig hier ein Pfarrer wohnt.

Herr M: Es ist nicht möglich mit einem Pfarrer vier Kirchorte abzudecken.
Antwort: Herr G verlässt im Sommer die Gemeinde, so dass kurzfristig eine Lösung zu finden ist. Die Kirchschließungen sind für Ende Oktober geplant. Die Kirche in Dorlar soll eine Weiternutzung erfahren.

Herr V: Die Kirche wird nicht geschlossen, sondern es soll eine andere Nutzung zugeführt werden. Die Würde des Gebäudes muss dabei erhalten bleiben. Das Martinswerk
tut alles dafür, dass Gebäude so zu erhalten. Auf keinen Fall wird das Gebäude verkauft.
Antwort: In Dorlar werden bei Bedarf weiterhin Gottesdienste durchgeführt, diese können vom Martinswerk bestellt werden.

Zukunft der Kirchengebäude: Es gibt drei Möglichkeiten:
1. Verkauf der Kirche. Die Weiternutzung darf nicht im Widerspruch zur kirchlichen Nutzung stehen.
2. Umnutzung, z.B. als Urnenraum.
3. Abriss des Gebäudes.

Mit Familie Honsel wurde gesprochen: Sie unterstützt unser verantwortliches Vorgehen.
Falls sich keine andere Möglichkeit findet, unterstützt er auch den Abriss.
Herr K: Eine 4. Möglichkeit wäre eine Umnutzung als Wohngebäude.
Antwort: Das ehemalige Kirchengebäude in Kirchrarbach wird auch jetzt als Wohnhaus genutzt. Herr M ergänzt die Ausführung.

Bis zum 7. Mai haben alle Gemeindeglieder die Möglichkeit sich schriftlich an das Presbyterium zu wenden. Die Anregungen werden sorgfältig geprüft.
Das Presbyterium ist auch bereit, in die einzelnen Orte zu kommen, um dort konkret über die Situation zu sprechen.

R : Ist es möglich, das Protokoll einzusehen?
Antwort: Ja, es wird im Internet veröffentlicht.

Auf Nachfrage von Frau G wird gesagt: Die Planung des zukünftigen Religionsunterrichtes ist bereits angelaufen.

TOP 4: (Schluss)
Herr Rademacher bedankt sich für die engagierte Diskussion und schließt die Gemeindeversammlung mit einem Gebet.